Montag, 6. September 2010

totgemobbt.

So heißt meine neue Kurzgeschichte, die ich auch bei einem Wettbewerb eingereicht habe...
Es geht um ein Mädchen, das gemobbt wurde und sich schließlich von einem Turm stürzt...

Naja, die Aufgabe des Wettbewerbs war Das Sprichwort "Der frühe Vogel fängt den Wurm" miteinzubringen.
Wenn ihr wollt könnt ihr mir ja einen Kommentar schreiben, wie ihr die Geschichte fandet. ich poste sie jetzt einfach mal. (=

Noch 30 Stufen.
Die Angst ließ ihre Beine zittern.
Noch 20 Stufen.
20 Stufen bis zur Freiheit.
Noch 10 Stufen.
Becca strich sich ihre langen, schwarzen Haare aus dem Gesicht.
Noch 3 Stufen.
Endlich war sie oben. Irgendjemand hatte ihr mal erzählt, dass der Turm 121 Stufen hatte. Oder waren es 112?
Es war ihr egal, er war hoch genug um sie zu erlösen. Sie trat an die Brüstung und sah nach unten. 51 Meter unter ihr eilten die Leute mit Tüten und Taschen bepackt von Laden zu Laden. Es war Winter und klirrend kalt, das störte die hektische Betriebsamkeit jedoch keineswegs.
Sie erinnerte sich daran, wie sie einst mit Tilly hier oben gestanden war und Papierflieger hinuntergeworfen hatte. Es kam ihr vor, als wäre es in einem anderen Leben gewesen. Tilly hatte schon längst die Seiten gewechselt. Sich mit allen anderen gegen sie verschworen. Ein trockenes Schluchzen stieg in Beccas Kehle hoch, sie konnte es nicht unterdrücken. Es erstaunte sie zu sehen, dass sie überhaupt noch im Stande war zu weinen. Sie dachte an die tausend, abertausend Tränen, die sie während der letzten Wochen vergossen hatte.
Es begann alles, als Alicia in die Klasse kam. Alicia war es, die die Klasse gegen sie aufhetzte. Alicia war es, die ihr die erste böse sms schrieb. Alicia war es, die Tilly zu ihrer Sklavin machte. Ihre beste Freundin.
Ihre Sachen verschwanden, Lügen wurden über sie verbreitet und Fotomontagen hingen überall. Über 1 Jahr ging das so, bis…

Unsanft wurde Becca aus ihren düsteren Erinnerungen gerissen, als direkt vor dem Turm ein Krankenwagen mit heulender Sirene vorbeifuhr.
Becca schüttelte sich, wie ein aus dem Wasser gekommener Hund und beschloss ihr Vorhaben durchzuführen.
Wie in Trance zog sie ihre pinkfarbenen Handschuhe aus, sie waren ein Geschenk von Tilly gewesen, und legte sie ordentlich vor sich auf den Boden.
Sie legte ihre Hände an die kalte Brüstung, setzte sich darauf und sah ein letztes Mal in die Sonne. Dann auf den hohen Baum, der schon mit Lichterketten für Weihnachten geschmückt war. Sie stellte sich hin, ignorierte die schreienden Leute und flüsterte: „Engel können fliegen!“
Dann ließ sie sich nach vorne fallen.
***
Verzweifelt schlug ich die Hände vors Gesicht. Ich raufte mir meine kurzen, blonden Haare, die schon in alle Richtungen abstanden.
Tränen liefen über mein Gesicht.
Becca war tot.
T.O.T.
Ihr Leben war vorbei.
Und ich war Schuld.
Als ich daran dachte, dass ich es hätte verhindern können versagten mir meine Beine den Dienst. Ich schlug hart auf meinem Zimmerboden auf, doch ich kümmerte mich nicht darum. Ich hatte es verdient. Ich war auf Alicias Schmeicheleien hereingefallen, hatte Becca, meine Becca, eiskalt gemobbt, herzlos. Und das nur, um nicht selbst den Angriffen ausgesetzt zu sein.
Aus Angst geschwiegen, wie erbärmlich!
Meine Oma hatte immer gesagt: „Der frühe Vogel fängt den Wurm“
Ich schluchzte auf. Ich wünschte ich wäre der Vogel gewesen und Becca der Wurm! Ich wünschte ich hätte sie fangen können, als sie sich wegen mir, wegen uns, von dem Turm stürzte!
Doch ich bin nicht der frühe Vogel gewesen. Ich bin der Vogel der verschlafen hat, nicht schnell genug verstanden hat, was Sache ist.
Ich hätte diejenige sein können, die Beccas Leben retten könnte…
Ich holte ein zerknittertes Stückchen Papier aus der Hosentasche, heute morgen war es mit der Post gekommen, einen Tag nach Beccas Selbstmord.
Es war ein Zettel, auf dem stand, in Beccas wunderschöner Schrift: Tilly, ich verzeihe dir.
Und mehr nicht. Ich wusste, dass sie es ernst gemeint hatte, aber ich gab mir noch immer die Schuld.
Und ich würde es auch immer tun.
Energisch riss ich das Plakat mit der Aufschrift: „Der frühe Vogel kann mich mal“ von meiner Zimmerwand. So würde ich nie wieder denken.
Das schwor ich mir.

2 Kommentare:

  1. Wow, ich bin beeindruckt. Wirklich toll geschrieben.

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  2. tut mir leid..aba..diese geschichte gibt es schon...so gut wie..sie heißt Aschenputtelfluch..kanste dir ja mal reinziehn...is zwar gut geschrieben aba nja gibts hal schon...Bad Luck
    JC (hab auchn blog)

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